Führungsfehler in Krisenzeiten vermeiden: 5 Erfolgsfaktoren für Führungskräfte

Führungskräfte stehen in Krisenzeiten unter besonderem Druck. Die Unsicherheit steigt, Entscheidungen müssen schneller getroffen werden – und genau dann passieren die gravierendsten Führungsfehler. In meinem Gespräch mit Christian Ladurner, CFO der Hensoldt AG, wurde deutlich: Die größten Fehler entstehen nicht durch falsches Handeln, sondern durch Unterlassen. Wer als Führungskraft in der Krise keine Orientierung gibt, verliert sein Team.

Warum Führungsfehler in Krisen häufig unterschätzt werden

Organisationen neigen dazu, sich selbst zu erhalten. Christian Ladurner beschreibt das mit der Frosch-Parabel: Wirfst du einen Frosch in kochendes Wasser, springt er sofort raus. Erhitzt du das Wasser langsam, passt er sich an – bis er stirbt. Genau so verhalten sich viele Unternehmen in Krisenzeiten. Sie erkennen die Veränderung nicht rechtzeitig, weil sie zu sehr im Tagesgeschäft gefangen sind. Und je größer die Organisation, desto stärker diese Tendenz zur Selbsterhaltung. Das ist der erste und häufigste Führungsfehler: Nicht proaktiv handeln, sondern warten, bis es zu spät ist. Wie Andy Grove, der ehemalige CEO von Intel, sagte: Only the paranoid survive.

Vermeidung von Führungsfehlern: 5 Faktoren für die Krisensituation

Was unterscheidet gute von exzellenter Führung? Und wie vermeiden Führungskräfte die typischen Fehler in Krisensituationen? Aus meinem Gespräch mit Christian Ladurner, CFO der Hensoldt AG, habe ich fünf zentrale Erfolgsfaktoren herausgearbeitet.

1. Entscheidungsfindung: Strategie statt kurzfristigem Aktionismus

Gute Führung setzt Ziele und definiert Leitplanken. Das klingt selbstverständlich, wird aber besonders in Krisenzeiten vernachlässigt. Viele Führungskräfte verfallen in operativen Aktionismus, statt strategisch zu denken. Christian bringt es auf den Punkt: Die Definition einer Strategie, abgeleitet aus dem aktuellen Marktumfeld, ist eine andauernde Pflicht von Unternehmern. Das bedeutet: Sich ständig hinterfragen, wie sich der Markt verändert und was das für das eigene Unternehmen bedeutet. Ein klassischer Führungsfehler in Krisen ist, nur kurzfristig zu denken. Aber ohne Ziel ist jeder Weg gut – und ohne Weg bleibt jedes Ziel unerreichbar. Führungskräfte müssen beides im Blick behalten: die kurzfristige Stabilität und die langfristige Transformation.

2. Dass Führungskräfte Werte vorleben – nicht nur definieren

Viele Unternehmen haben Werte an der Wand hängen. Zehn Leitsätze neben dem Kaffeeautomaten. Die Reaktion der Mitarbeiter? "Schön, wo ist der nächste Kaffeeautomat?" Das Problem: Werte entstehen nicht durch Poster, sondern durch tägliches Vorleben. Wer eine Speak-up-Kultur einfordert, aber die kleinste Kritik abwürgt, zerstört seine Glaubwürdigkeit. Christian Ladurner sagt dazu: Am Ende des Tages ist es wirklich tagtägliches Vorleben im Umgang mit Mitarbeitern, Führungskräften und Kunden. Das merken die Leute sofort – und es ist ein ständiger Lernprozess. Der Unterschied zwischen guter und exzellenter Führung? Exzellente Führungskräfte schaffen ein Wertesystem, das den Mitarbeitern Orientierung gibt. Ein Rahmen, in dem sie Entscheidungen treffen können, ohne jedes Mal nach oben fragen zu müssen.

3. Krise antizipieren statt reagieren

Die größte Herausforderung für Führungskräfte ist die Veränderung. Solange das Unternehmen in gutem Fahrwasser ist, läuft alles. Aber wenn es um echte Transformation geht, wird es schwierig. Der häufigste Fehler: Veränderung erst anstoßen, wenn es bereits brennt. Dann ist es oft zu spät. Wirksame Führung bedeutet, die Krise zu antizipieren. Das, was heute passiert, habe ich vor vier oder fünf Jahren entschieden. Also muss ich heute schon an dem arbeiten, was in vier, fünf Jahren passiert. Das erfordert Mut. Denn wer in guten Zeiten Veränderung fordert, erntet oft Unverständnis: "Läuft doch alles." Aber genau das ist die Aufgabe von Führungskräften auf C-Level: Das Unternehmen auf Zeiten vorbereiten, die noch nicht da sind.

4. Feedbackkultur als Lernprozess für Entscheider

In Deutschland sind wir konsensorientiert. Konflikte werden vermieden, unangenehme Wahrheiten nicht ausgesprochen. Das ist ein gefährlicher Führungsfehler – besonders in Krisenzeiten. Feedbackkultur herrscht in vielen Organisationen nicht in der Art, wie wir sie brauchen, sagt Christian. Das Ergebnis: Probleme werden verschleppt, bis sie nicht mehr zu lösen sind. Dabei ist ehrliches Feedback keine Einbahnstraße. Als Führungskraft aktiv Feedback einzufordern, hilft enorm bei der eigenen Entwicklung. Es deckt blinde Flecken auf und bestätigt manchmal auch, was man richtig macht. Der Schlüssel: Klarheit mit Fairness verbinden. Missstände benennen, aber respektvoll. Das ist ein Balanceakt, aber er lohnt sich.

5. Leben in der Lage – Führungskraft in der Krisenzeit

Jeder Plan ist gut, bis er auf die Realität trifft. Oder wie Mike Tyson es sagte: Jeder hat einen Plan, bis er den ersten Schlag bekommt. Christian nutzt dafür einen militärischen Begriff: Leben in der Lage. Das bedeutet: Die Lage hat sich verändert, also muss ich prüfen, ob mein Plan noch richtig ist – oder ob ich ihn anpassen muss. Das ist kein Widerspruch zur Strategie. Planung ersetzt Zufall durch Irrtum, sagt Christian. Der Plan gibt Orientierung. Aber stur daran festzuhalten, wenn sich die Rahmenbedingungen geändert haben, ist ein Führungsfehler. Die Balance macht es: Strategie definieren, aber flexibel bleiben. Entscheidungen treffen, auch wenn sie dem ursprünglichen Budget widersprechen. Das ist Business Judgement – und in volatilen Zeiten unverzichtbar.

Führungskräfte in Krisensituationen: Orientierung geben

Gerade in Phasen von Unsicherheit und Instabilität ist Führung wichtiger denn je. Menschen suchen nach Halt, nach Klarheit, nach normativer Führung. Das erlebe ich in meinem täglichen Doing, sagt Christian. Die Führungskräfte, die in der Krise versagen, machen fast immer die gleichen Fehler: Sie kommunizieren nicht klar, leben ihre Werte nicht vor, reagieren statt zu agieren, vermeiden Konflikte und halten starr an Plänen fest. Die Führungskräfte, die in der Krise wachsen, tun das Gegenteil: Sie geben Orientierung, leben Integrität, denken voraus, sprechen Klartext und passen sich an.

Fazit: Führungsfehler in Krisen sind vermeidbar

Führungsfehler in Krisenzeiten sind vermeidbar. Aber es erfordert Disziplin, Selbstreflexion und den Mut, unbequeme Entscheidungen zu treffen. Die fünf Erfolgsfaktoren nochmal zusammengefasst:
  1. Strategie ableiten und kommunizieren
  2. Wertesystem vorleben
  3. Transformation proaktiv anstoßen
  4. Missstände klar ansprechen
  5. Leben in der Lage – flexibel bleiben
Wenn du als Führungskraft an diesen Punkten arbeitest, wirst du nicht nur Krisen überstehen, sondern gestärkt daraus hervorgehen. Dein Armin It's All About Growth!

Häufige Fragen zu Führungsfehlern in Krisenzeiten

Was unterscheidet gute von exzellenter Unternehmensführung?
Gute Führung setzt Ziele, definiert Strategien und gibt Freiräume. Exzellente Führung geht einen Schritt weiter: Sie verankert ein Wertesystem in der Kultur, das Mitarbeitern Orientierung für tägliche Entscheidungen gibt – auch ohne Rückfrage nach oben.
Was sind die häufigsten Führungsfehler in Krisenzeiten?
Die häufigsten Fehler sind: Veränderungen zu spät erkennen, Werte nur definieren statt vorleben, Missstände nicht klar ansprechen und starr an Plänen festhalten, obwohl sich die Lage geändert hat. Der größte Fehler ist Passivität – warten, bis es zu spät ist.
Was bedeutet "Leben in der Lage" für Führungskräfte?
"Leben in der Lage" ist ein militärischer Grundsatz: Wenn sich die Situation verändert, muss ich prüfen, ob mein ursprünglicher Plan noch richtig ist – oder ob ich ihn anpassen muss. Für Führungskräfte bedeutet das: Strategie haben, aber flexibel bleiben.
Warum ist Führung in Krisenzeiten besonders wichtig?
In Phasen von Unsicherheit und Instabilität suchen Menschen nach Halt, Klarheit und Orientierung. Führungskräfte, die in der Krise klare Werte vorleben und Richtung geben, schaffen Vertrauen – das ist die Grundlage für erfolgreiche Transformation.
Wie können Führungskräfte Transformation erfolgreich gestalten?
Erfolgreiche Transformation beginnt, bevor die Krise da ist. Führungskräfte müssen heute an dem arbeiten, was in vier bis fünf Jahren relevant ist. Das erfordert Mut, denn in guten Zeiten Veränderung zu fordern, stößt oft auf Widerstand.
Blaues Bild mit weißem Text: „OPENING DOORS. MAKING YOU GROW.“ und „ARMIN L RAU“ sowie Logo.